Der digitale Produktpass im Maschinenbau
Die EU-Ökodesign-Verordnung bringt den digitalen Produktpass. Was er enthalten soll, wann er kommt und warum die Daten dafür im Service längst entstehen.

Daniel Krause
Geschäftsführung ·

Mit der Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 hat die EU den digitalen Produktpass eingeführt. Er soll für immer mehr Produktgruppen Pflicht werden und die wichtigsten Informationen über ein Produkt über dessen gesamte Lebensdauer zugänglich machen: Material und Herkunft, Reparierbarkeit, Ersatzteile, Energieverbrauch, Entsorgung. Für welche Produkte er wann gilt, legt die Kommission in delegierten Rechtsakten fest; Batterien machen den Anfang, Maschinen und Elektrogeräte werden folgen.
Was drin steht
Der Pass ist kein einzelnes Dokument, sondern ein Datensatz, der über einen Träger am Produkt erreichbar ist – in der Regel einen QR-Code. Was genau enthalten sein muss, hängt von der Produktgruppe ab. Sicher ist, dass es um mehr geht als das Typenschild: Wer hat das Produkt hergestellt, woraus besteht es, wie wird es repariert, welche Ersatzteile gibt es und wie lange, was ist mit ihm passiert.
Der Service liefert die Daten
Der letzte Punkt ist der, der den Maschinenbau am meisten betrifft. Ein Pass, der den Zustand eines Produkts abbilden soll, braucht die Historie: Wartungen, Reparaturen, getauschte Komponenten, Software-Stände. Diese Daten entstehen im Service, bei jedem Einsatz. Wer sie heute schon strukturiert je Seriennummer erfasst, hat den Pass zur Hälfte gefüllt, bevor er Pflicht wird. Wer sie in Protokollen auf dem Fileserver ablegt, wird sie später nicht nachtragen können.
Der Zusammenhang mit der Maschinenverordnung
Die Maschinenverordnung verlangt ab 2027, dass Betriebsanleitung und Konformitätserklärung digital auffindbar sind – über einen Träger an der Maschine, mindestens zehn Jahre lang. Der Produktpass verlangt dasselbe für mehr Daten. Es liegt nahe, beides über denselben QR-Code zu lösen: Er führt auf die Maschinenakte, und dort liegen Anleitung, Erklärung, Historie und alles, was der Pass später verlangt.
Was jetzt sinnvoll ist
Niemand muss heute einen Produktpass bauen. Sinnvoll ist, die Daten so zu führen, dass er sich später daraus erzeugen lässt: je Seriennummer, strukturiert, mit den verbauten Komponenten und der vollständigen Historie. Das ist genau das, was eine gute Maschinenakte ohnehin leistet – und was der eigene Service auch ohne Verordnung braucht.







